SPH Bandcontest „Erwachsenenkino“

Contests haben seit Jahren ein eher schwieriges Image, wohl auch aufgrund ihrer umstrittenen Fernsehkarriere und vielerlei Demütigung für Mensch und Motivation. Der SPH Bandcontest zeigt, wie die Idee eines Wettbewerbs funktioniert und sehr erfolgreich ist. INSIDE im Gespräch mit den zwei Machern.

Dieter Bohlen wäre wohl die erste Assoziation von Menschen, die in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland mit einem Fernsehanschluss gelebt haben und nach einem Namen gefragt würden, den sie mit Casting und Contest und künstlerischem Wettstreit in Verbindung bringen. Bis heute existieren diese Fernsehformate, sehen sich in den vergangenen Jahren aber zunehmend Kritik ausgesetzt. Dass die Idee eines künstlerischen Wettstreits aber dennoch immens erfolgreich, vor allem aber fair umgesetzt sein kann, beweist der SPH Bandcontest, entstanden in einer beschaulichen Westerwaldmetropole.

KORG unterstützt das spannende Event, das mittlerweile in drei Ländern stattfindet und sein Wachstumspotenzial sicher nicht ausgeschöpft hat, als Sponsor sehr gerne und nicht minder umfänglich. Robin Müller und Marco Stiegler haben ein Herz für Musik. Und eines für Musiker. Leidenschaft und wache Sinne waren schon immer gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Geschäft. Will man den SPH Bandcontest als solches bezeichnen, ist der Erfolg Aufsehen erregend. Dieser nur wenig riskanten These sei nackte Statistik zur Seite gestellt: 100.000 Konzertbesucher für 11.800 Musiker in 2500 Kapellen, 300 Gigs in 70 Städten dreier Länder und am Ende nur strahlende Gesichter.

Diese beeindruckenden Zahlen wurden seit dem Start 2008 entwickelt, in gerade einmal zehn Jahren. Nachrichten für die verantwortlichen Organisatoren um Robin Müller und Marco Stiegler mit der konkret geäußerten Anfrage, das Konzept übernehmen zu wollen, haben längst internationale Absender. Was aber steckt hinter ihrer Erfolgsgeschichte? Wie es so weit kommen konnte und was den SPH Bandcontest im Vergleich zu ähnlichen Wettbewerben zum Erwachsenenkino macht, haben wir die Herren Müller und Stiegler einfach mal gefragt.

SPH Music Masters LOGO

Robin, der SPH Bandcontest ist kein gewöhnlicher Wettbewerb und hat vielleicht auch aufgrund dieses Umstands keine normale Entwicklung genommen. Was unterscheidet den Contest von anderen hier in Deutschland?

Robin:

Die Entwicklung des SPH Bandcontests ist für uns alle eine ganz besondere. Wir haben ihn gegründet, weil wir mit der Vorgehensweise bei anderen Contests sehr unzufrieden waren und schon überzeugt waren, einen Wettbewerb besser umsetzen zu können. Wir starteten im ersten Jahr lediglich mit zwei Konzerten und zwölf Bands. Jetzt, einige Jahre später, haben wir mehr als 300 Shows pro Jahr in rund 70 Städten. Insofern sind wir mit der Entwicklung schon sehr zufrieden. Viele Bandcontests zielen allein auf den wirtschaftlichen Erfolg. Die Bands profitieren kaum davon, was für uns ein nicht akzeptabler Umstand war und uns zusätzlich motivierte, auch aus eigener Erfahrung. Andere wiederum haben aufgrund von zu viel Idealismus die Zahlen aus den Augen verloren und mussten die Segel streichen. Das bringt natürlich langfristig auch nichts. Deshalb wollten wir immer solide und sicher wirtschaften, damit es die Auftritte und die Förderung für lange Zeit geben kann. Gleichzeitig wollten wir aber auch unseren Idealismus leben und möglichst viel an die Bands zurückgeben.

Was sind zentrale Anliegen des Contests, Marco?

Marco:

Leider sind Probleme wie die sterbende Clubkultur Grund dafür, dass es Newcomer-Bands immer schwerer haben, auf Bühnen zu stehen und Live-Erfahrung zu sammeln. Das wollten wir unbedingt ändern, in dem wir die verschiedenen Locations in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien buchen und uns dann um die komplette Organisation kümmern. Gleichzeitig wollen wir jeder Band nach jedem Konzert ein individuelles Feedback zu deren Auftritt geben. Hier haben wir unsere Showmanager in jeder Stadt am Ort, die alle selbst Musiker sind oder aus einem musiknahen Umfeld kommen. Somit stellen wir ebenfalls sicher, dass die Feedbacks neutral und objektiv sind, unabhängig von der jeweiligen Musikrichtung der Band oder anderen Umständen. Viele Bands konnten durch diese Feedbacks die Qualität ihrer Auftritte signifikant verbessern. Weil besonders bei den ersten Gigs die Bands aus der gleichen Stadt oder mindestens aus dem regionalen Umkreis stammen, stärken wir zusätzlich die lokale Szene. Wir haben es schon oft erlebt, dass Bands sich nach den Konzerten nochmals treffen, um gemeinsam weitere Auftritte bis hin zu ganzen Tourneen zu planen. Und natürlich wollen wir unseren Bands großartige Preise und Fördermöglichkeit zur Verfügung stellen. Hier spielen unsere Partner eine elementare Rolle, durch die wir unseren Bands großartige Sachpreisen in den Pre-Finals und National-Finals und sehr hilfreichen Dienstleistungen im Förderpaket zur Verfügung stellen können. Partner wie KORG.

Sie haben innerhalb von zehn Jahren aus einer lokalen Idee einen bundesweiten, ja internationalen Wettbewerb etabliert; wie viel Leidenschaft steckt als Geheimnis dahinter und wie viel hauptamtliche Profession, Robin?

Robin:

Als wir uns damals dazu entschieden haben, den SPH Bandcontest zu starten, sind wir das Ganze mit einer gewissen, jugendlichen Naivität angegangen; ich war gerade mal 19 Jahre jung. Um es mal übertrieben zu formulieren, wussten wir nur, dass wir es anders machen wollten als damals bereits existierende Formate. Das Wie war uns am Anfang gar nicht klar. Irgendwann nach nächtelangen Brainstormings stand das Konzept und ein paar Monate später fand dann auch das erste Konzert in Montabaur, im Westerwald, statt. Alles, was wir damals gemacht haben, war zu einhundert Prozent auf Leidenschaft gegründet. Die hauptamtliche Profession kam mit der Zeit, durch die Erfahrung und auch durch die Fehler die wir gemacht haben. Da das Konzept SPH sehr schnell immer größere Kreise zog, war eine gewisse unternehmerische Struktur, mit definierten Abläufen und Prozessen von Nöten. Somit stieg der Anteil hauptamtlicher Profession immer weiter. Was sich bis heute nicht verändert hat, ist die Leidenschaft für diese großartige Sache.

SPH Bandcontest KORG Beamer

Warum, Robin, glauben Sie, funktioniert das Format Bandcontest oder überhaupt musikalischer Wettbewerb derart gut? Messen sich Musiker gerne?

Robin:

Ich glaube, es geht nicht so sehr um das Messen oder gegeneinander antreten. Das sind ja auch nicht unsere Werte. Es geht um das gemeinsame Konzert, das Miteinander. Wir bieten ja letztlich einfach eine Plattform, die jede Band, die auf die Bühne möchte, nutzen darf. Der Wettbewerb gerät da schnell in den Hintergrund. Er ist vielleicht das Gerüst, was dann von den Bands mit Leben und Leidenschaft gefüllt wird.

Wie entwickeln sich die Bands nach einem Sieg beim SPH Bandcontest weiter? Gibt es ein positives Beispiel, das Ihnen in Erinnerung ist, Robin?

Robin:

Sehr viele Bands und Musiker haben sich nach der Teilnahme hervorragend entwickelt und großartige Dinge erlebt, Platten produziert, als Studio- oder Livemusiker bei großen Acts gearbeitet, auf großen Festivals gespielt, Tourneen gehabt oder einfach ihr Projekt weiter verbessert, auch in Sachen Marketing. Das ist heute sicherlich genauso wichtig. Wir sind nicht so vermessen, den Erfolg der Bands in einen kausalen Zusammenhang zu unserer Arbeit zu stellen, es ist vielmehr das enorme Talent der Musiker. Wir hoffen lediglich, einen Beitrag zur Entwicklung geleistet zu haben. Aktuell arbeiten wir übrigens an einer neuen Rubrik für unsere Website, auf der wir die Erfolgsgeschichten sammeln und natürlich auch weiter promoten wollen.

Die Wurzeln des Contests liegen in Montabaur, im eher beschaulichen Westerwald, Robin. Spielt die Identität der Ideengeber und damit auch der Veranstaltung eine Rolle für die Entwicklung in den vergangenen Jahren?

Robin:

Nein, meines Erachtens liegt das nicht unbedingt an dem Ursprung des Contests in Montabaur, sondern eher an den Personen, die hunderte Stunden ihrer Zeit dafür aufgewendet haben, um Mehrwerte für jeden Musiker zu schaffen. Dennoch ist es immer wieder schön, jedes Jahr zu unseren Wurzeln zurückzukehren, mit dem großen Deutschlandfinale in der Stadthalle in Montabaur. Hier spielen die besten 12 aus über 1.500 Bands um den Sieg. Wir haben hier sehr viele engagierte ehrenamtliche Helfer aus der Region selbst, die sich genauso wie wir für den SPH Bandcontest begeistern und tatkräftig mithelfen, sodass dieses Finale Jahr für Jahr ein wirklich besonderes Ereignis wird.

Wie entwickeln Sie den Bandcontest weiter? Was sind nach dem Finale im Januar die Pläne für dieses Jahr, Robin?

Robin:

Unsere Hauptziel für die nächsten Jahre ist die Verbesserung der Show-Qualität, also des Ablaufs an den teilnehmenden Orten. Dass bei über 300 Konzerten im Jahr nicht jedes Konzert perfekt abläuft, ist klar. Wir wollen aber möglichst nah an eine hundertprozentige Zufriedenheit herankommen, sodass sich jede Band bei uns wohl fühlen kann und einzigartige, emotionale Auftritte beim SPH Bandcontest erleben darf. Außerdem finden dieses Jahr auch unsere ersten Konzerte in Großbritannien statt. Wenn ich Namen wie Liverpool, Manchester oder London höre, bekomme ich Gänsehaut. Wir hoffen auch, durch neue Kontakte und Auftrittsmöglichkeiten unser Netzwerk im Ausland für die Bands zu erweitern.

SPH Bandcontest Bühne

Warum sollte eine Band unbedingt am SPH Bandcontest teilnehmen?

Robin:

Dem SPH Bandcontest liegen bestimmte Werte zugrunde, eine Idee. Wir sind selbst Musiker und wollten endlich einen positiven Gegenpol zu anderen, stark kommerzialisierten Nachwuchswettbewerben schaffen, sowohl die ausgeschriebenen Preise betreffend, als auch bei anderen relevanten Fragen, den Umgang mit den Bands etwa, die persönliche Betreuung oder auch einfach die Fairness beim Wettbewerb. Ein Beispiel dafür ist, dass eine Band pro Show mit bis zu 250 Euro am Show-Gewinn beteiligt wird, wenn sie ihre Fans mobilisieren kann, schließlich kommen diese wegen der Band. Wir verzeichnen nicht umsonst so große Erfolge und einen unglaublichen Teilnehmerzuwachs. Wir wissen aus eigener Erfahrung, welche Fehler passieren können und versuchen die natürlich zu vermeiden, um am Ende etwas für alle Musiker zu tun. Unser Anspruch ist es, dass Musiker bei uns die beste Betreuung, die beste Atmosphäre, das beste Miteinander, die besten Fördermöglichkeiten und die besten Preise, Feedbacks und Auftrittserfahrungen bekommen. Dafür geben wir alles.

Welche Rolle spielen Sponsoren wie KORG, insbesondere wenn es um nachhaltige Unterstützung, Expertise und Knowhow geht?

Robin:

Unsere Sponsoren bezeichnen wir bei SPH gerne als Partner oder auch SPH Familie. Das soll dokumentieren, wie wir unser Verhältnis mit unseren Sponsoren und Förderern sehen. Freundschaftlich, auf einer Ebene und stets daran interessiert, dem anderen einen großartigen Mehrwert zu bieten. Wir fühlen uns sehr geehrt, auch mit KORG zusammenarbeiten zu dürfen. Der Name ist jedem Musiker ein Begriff und die Vielzahl an microKORGs und weitere Preise, die KORG unseren Musikern stiftet, zeigt, wie ernst es KORG mit der Nachwuchsförderung ist. Gleichzeitig ist das Knowhow in Bezug auf Tasteninstrumente wie etwa Synthesizern insofern sehr wichtig, als dass wir in Handbüchern zukünftig unseren Bands dieses Wissen vermitteln wollen. Das Ziel dieser Handbücher ist es, Bands die bisher keine oder geringe Erfahrung mit Synthesizern haben, langsam und sorgfältig von Anfang an in das Thema einzuführen. KORG ist dafür der perfekte Partner.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und viel Erfolg Euch beiden.

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