microKORG2: Neue Funktionen in OS 2.0 (Teil 1)

Das 2.0 Update für den microKORG2 war ein großes Update. Es bringt neue Funktionen für den Looper, Keyboard Split-Optionen, die Unterstützung des logue SDK Kits, zwei mitgelieferte neue Oszillatoren und drei Effekte – und die Möglichkeit, Oszillatoren und Effekte von Drittanbietern wie Sinevibes oder Loopop zu nutzen. Dafür – und jetzt auch zum Austausch von Samples und Looper-Aufnahmen – kannst Du ca. 60 MB internen Speicher nutzen. Dieser Workshop zeigt Dir, wie Du alles richtig handhabst und neue Klänge aus dem microKORG2 herauskitzeln kannst.

Lade zuerst den Updater herunter und entpacke ihn. Verbinde den microKORG2 via USB-C mit dem Computer. Halte den „Function 3“-Button beim Einschalten gedrückt (der mittlere Button unter dem Display). Der microKORG 2 zeigt an, dass er auf ein Update-File wartet und erscheint als Speichermedium mit dem Namen „Update“ auf dem Computer. Ziehe jetzt die extrahierte bin-Datei auf das Speichermedium, werfe es aus und drücke danach den „Function 4“-Button rechts neben „Function 3“. Übrigens: Beim Einschalten mit gehaltener „Function 5“-Taste kannst Du die aktuell installierte Systemversion anzeigen lassen.

Um neue Oszillatoren oder Effekte aufzuspielen, halte Funktionstaste 1 (ganz links unter dem Display) beim Hochfahren gedrückt, um den microKORG2 in den „USB Mass Storage“-Modus zu versetzen. Auf dem Speichermedium findest Du einen Ordner „Units“, und in diesem die Unterordner „Data“, „DelayFx“, „ModFx“, „OscFX“ und „Reverb Fx“. Für jeden installierten Effekt gibt es einen Unterordner, insgesamt sind das in jedem der genannten Kategorieunterordner 32 weitere Ordner, die Slot 1-32 heißen. Vorinstalliert findest Du bereits von KORG die OSCs „Wave“ und „Vox“ mit der Dateiendung „.mk2unit“, ein Multitap-Delay, einen Morph EQ (bei den ModFX) und den breveR Hall bei den Reverbs. Nach der Installation wirfst Du das Speichermedium am Computer aus und gehst wiederum durch Drücken von „Function 5“ am microKORG 2 aus dem „USB Mass Storage“-Modus.

Im ersten Sounddesign-Workshop auf insidek.org habe ich schon erwähnt, dass man die Wirkung einzelner Komponenten gut mit einem Init Program ausprobieren kann, welches Du z. B. bei gehaltener „Function 5“-Taste durch Drücken der „Function 1“-Taste erzeugst. Diesen Workshop kannst Du ergänzend lesen, denn hier bespreche ich vor allem Neuerungen. Gehe im Bereich „Timbre Edit“ auf den zweiten Button von links oberhalb der Einträge „Osc 1“, „Osc 2“ etc. , um einen Oszillator auszuwählen. Drehe den Regler 1 (braun) ganz nach rechts, um im Bereich „Wave“ den Eintrag „User“ zu wählen. Wähle dann mit Regler 2 (blau) „Waves“ oder „Vox“ aus. 

Waves ist ein Oscillator mit zwei Wavetables plus Sub Osc und Bitcrusher, der Sub Osc kann auch als Ringmodulationsquelle benutzt werden.

„Vox“ kann Formantenklänge ausgeben und Deinen microKORG2 zum Voice-Synth machen: Regler 3 (orange) stellt z. B. „Syllabus“ ein (A, E, I, O, U), die direkt darunter im Display angezeigt werden. Regler 4 verändert die Formanten von dunkel zu hell, die Wirkung dieser Charakteristik hört man am besten, wenn man die Resonanz (Regler 5) aufdreht, z. B. Auf 8.0. Die Funktionalität der Osc-Sektion ändert sich bei den User Oscs ein wenig, denn durch erneutes Drücken des „Osc“-Buttons landet man z. B. bei „Vox“ nun nicht mehr bei Osc 2 und 3, sondern bei einer weiteren Page mit Einstellungen zum Vox-Oszillator. Hier kann es auch sinnvoll sein, durch Drehen des „Shape“-Parameters nach links ein paar Obertöne aus dem Sound herauszunehmen. Und es ist im Beispiel des Vox-Oscs auch möglich, Noise hinzuzumischen, um nicht mehr in den Mixerbereich gehen zu müssen.

Bevor ich mit der Aufnahme neuer Sounds mit dem Looper anfing, habe ich ein wenig im Detail an Sounds mit dem neuen Vox-Oszillatormodell gearbeitet und das nachfolgend beschrieben. Wenn Dir das zu nerdig ist, kannst Du diesen Teil auch überspringen und direkt zum Abschnitt mit dem Looper gehen. 

Das logue SDK System ist offen für alle, auf diese Weise können viele gute Ideen in den microKORG2 wandern. Dabei muss ich aber auch die Warnung aussprechen, dass Plug-Ins nicht ganz so einheitlich programmiert sind, und es auch kleine Bugs geben kann oder z. B. Modulationszuweisungen nicht so perfekt auf andere Konfigurationen übertragbar sind.

Um Bewegung in den Sound zu bringen, drücke den sechsten Button im Bereich Timbre Edit mit der Beschriftung „Patch 1-6“. Aktiviere zwei Modulationen: Stelle in Patch 1 den LFO 1 +/- als Quelle und in Patch 2 LFO 2 +/-  als Quelle ein. Wähle als Ziel dann „User Syllable“ und „User Formant“ und dann z. B. „Sample & Hold“ als Wellenform der LFOs, die Du durch Drücken von Button 5 erreichst, um abwechslungsreiche, immer wieder neue Bewegungen in den Sound zu bringen. Achtung: Du hörst die Modulation von „Source 1“ nur dann, wenn keine „Source 2“ dazwischen funkt (und du nicht zusätzlich z. B. das Modwheel hochdrehen musst), stelle für „Source 2“ also zunächst „No assign“ ein.

Beachte, dass Du die abgestuften zufälligen Werte in LFO 1 glätten kannst, in LFO 2 aber nicht. Verbinde mal den einen, mal den anderen LFO mit den genannten Zielen und verändere die Modulationsgeschwindigkeit. Im Ergebnis entsteht ein lebendiger Voice-Synth-Klang. Speichern wir das Program gleich zweimal mit verschiedenen Einstellungen.

Gehe nun in den Bereich der Effekte. Auch dort kannst Du seit dem 2.0 Update für die drei Effektbereiche „Mod“, „Delay“ und „Reverb“ neue vorinstallierte Effekte von KORG finden. Da der entworfene Sound ohnehin schon recht viel Bewegung im Filterbereich hat, fügen wir mit Hilfe des neuen MorphEQ noch einen Equalizer hinzu, um den Sound noch attraktiver zu machen. Beachte, dass Du erst die Buttons „On/Off“ und „Mod“ gemeinsam drücken musst, um den Effekt zu aktivieren. Wähle dann wieder mit Regler 1 (braun) den Eintrag „User“ ganz rechts. Im Bereich „Mod“ kannst Du mit Regler 2 den Morph EQ auswählen. Genauso funktioniert die Auswahl neuer logue SDK-Plug-ins  mit den Delay- und Reverb-Effekten (und den Oszillatoren). Du wählst mit Regler 2 (blau) dann jeweils nacheinander die in den Ordnern liegenden Effekte aus, weitere Parameter ändern sich dann gegebenenfalls.

Der Morph EQ hebt das Signal an drei Frequenzen an, auf Page 2 habe ich hierfür jeweils ca. +5 dB eingestellt, und der Bandbreite des Mittenbands einen hohen Q-Faktor bzw. eine geringe Bandbreite gegeben. Danach hört sich eine Bewegung des Cutoff-Reglers prägnanter an. Allerdings sind schon ein wenig Fingerspitzengefühl und eine angemessene Depth-Einstellung nötig, damit es gut klingt. Mit dem oldschoolig nach Metallplatten klingenden „breveR“ aus dem Reverb Bereich ging mir das ähnlich. Noch mehr zu bieten hat aber vielleicht der Hollow-Reverb von Sinevibes, der die Töne zu einer lang ausklingenden Klangwolke verdichten kann. Sinevibes bietet ein ganzes Bundle mit zahlreichen FX für den microKORG 2, aber auch für andere KORG Instrumente an, welche logue SDK Inhalte laden können. Die Sinevibes Effekte sind dabei nur 2 bis 14 KB (meist ca. 4 KB) groß und verbrauchen nur wenig Speicher. Wichtig ist dabei, die „Erweiterungen“ in die richtige Kategorie zu laden. Mit Sinevibes Albedo (Reverb) wird das „Stimmengewirr“ unseres Sounds noch größer, mit „Luminarc“ gleitet der Hall „schimmernd“ in luftige Höhen.

Mit „Corrosion“ (Mod) sind extreme Verzerrungen möglich, insbesondere wenn „Gain“ voll aufgedreht ist und du verschiedene „Types“ ausprobierst. Mit „Whirl“ bekommst Du schönes Phasing/ Flanging, während es mit „Stator“ auch mal retromäßig vibrieren kann. „Integer“ (Delay) ist ebenfalls ein Delay mit „Retro-Charakter“ und Panning-Optionen, während Klänge via „Finite“-Delay in andere Höhen mit Videospiel-Klangästhetik abdriften können.

Nutzen wir nun die vielen neuen Klangoptionen gemeinsam mit einigen neuen Funktionen des Loopers. Dieser hat nun wesentlich erweiterte Möglichkeiten. Zunächst lassen sich z. B. Looper-Aufnahmen exportieren oder Loops importieren. Beim Import können Files den Looper-Inhalt überschreiben oder mit diesem verschmelzen. Achte darauf, dass Dein File als 16 Bit / 48 kHz .wav Datei vorliegt. 

Drücke „Function 5“ +  „Loop Record“, um in den „Import / Export“-Dialog zu kommen. Dort kannst Du Loops in Slots exportieren. Wie auch beim Speichern von Presets musst Du dabei am Ende die angezeigte „Execute“-Option auswählen. Dabei generiert microKORG2 automatisch einen neuen Namen für Dich, schreibt aber zusätzlich das verwendete Tempo in BPM hinein. Diese Namensgebungs-Option gibt es auch beim Speichern von Presets, wenn Du die Execute-Taste länger drückst – und dann nochmal zum Speichern.

Ein ganz heißes neues Feature ist die „Step-Record“-Option. Du kannst hier Steps alternativ zur normalen Aufnahmemethode programmieren, und der Workflow erinnert ein wenig an andere Step-Sequenzer. Allerdings arbeiten wir hier immer mit Audioaufnahmen und nicht mit Steuerbefehlen. 

Eine Sequenz aus lauter abwechselnden Audioaufnahmen erstellen zu können, hat bei KORG fast schon Tradition, schließlich hat man das sogenannte Wave-Sequencing erfunden. So oder so bietet die „Step-Record“-Option im Looper des microKORG2 mit dieser Funktion ganz neue kreative Möglichkeiten, über die man sich erst mal klar werden muss. So ist es ja zum Beispiel möglich, vor der Aufnahme eines neuen Steps beliebig das aktive Programm zu wechseln. Da ist es umso besser, dass man nun so viele zusätzliche und sehr unterschiedliche Komponenten für die Klangerzeugung heranziehen kann. Zudem kannst Du mit einem Trick auch am Aux In anliegende Sounds aufnehmen: Hierzu routest Du den Aux In im globalen Menü vor den Looper (oder sogar noch vor die Effekte, die vor dem Looper-Eingang liegen). Die Step-Aufnahmen werden jeweils durch Spielen einer Taste gestartet. Wenn Du nun ein Preset anspielst, nimmst du es gemeinsam mit dem Audiosignal auf. Um nur das Audiosignal aufzunehmen, programmiere das Preset einfach so, dass es kein hörbares Signal ausgibt, z. B. indem Du im Mixer alle Signale herunterdrehst. Auch über den Looper gibt es schon einen Workshop auf insidek.org. Schauen wir uns an, was jetzt neu ist:

An die Looper Settings A gelangst Du durch langes Drücken der „Loop Record“-Taste. Mit dem blauen Regler 2 kannst Du unter „Rec Start“ nun den Eintrag „Step Record“ wählen, der sogar voreingestellt ist. Drücke „Record“ und nehme dann nacheinander Steps durch Drücken einer Taste auf. Das Zusammenspiel von Length und Step Length will verstanden sein: Length gibt die Gesamtlänge der Sequenz in Relation zum eingestellten Tempo an. 32/16 ergeben als z.B. zwei Takte, maximal sind 128/16, also acht Takte möglich. Steht die Step Length nun auf 1/2, dann kann ich bei 32/16 maximal vier Steps a 1/2 Takt bzw. insgesamt zwei Takte aufnehmen. Via einstellbarem „Step Decay“-Parameter können aufgenommene Steps maximal den ganzen nächsten Step lang ausklingen (bei Einstellung 100%).

Zum Start der Aufnahme drückst Du kurz die „Loop Record“-Taste. Wie gesagt: Nach der Aufnahme eines Steps hast Du alle Zeit der Welt, um einen nächsten Step aufzunehmen und kannst zwischendurch Klänge wechseln. Stelle ein gewolltes Tempo bei Bedarf im Menü „Arp A“ ein. Ein Balken oben im Display zeigt den „Fortschritt“ in der Sequenz an. Der Clou: Sind alle Steps aufgenommen, führt weiteres Einspielen von Steps zu Overdubs auf den bereits vorhandenen Steps. Möchtest Du dies nicht oder restliche Steps leer lassen, beendest Du die Aufnahme durch Drücken der „Loop-Record“-Taste. Ist die Aufnahme noch aktiv, führt das Drücken des „Play“-Buttons dazu, dass für den nächsten Step „Stille“ eingefügt wird. Andererseits wird so auch der nächste Step abgespielt und Inhalte, falls vorhanden, werden hörbar. So gesehen könntest Du das auch als eine Art Performance-Option nutzen.

Nur wenn „Loop-Play“ bei deaktivierter „Record“-Taste gestartet wird, läuft die Sequenzwiedergabe auch „geloopt“. An die zugehörigen und interessanten Abspielparameter gelangt man durch langes Drücken der „Settings B“-Taste. Hier kannst Du (neu) das Tempo zwischen halber und doppeler Geschwindigkeit skalieren, wodurch sich auch die Tonhöhe ändert, oder Stutter FX hinzufügen, die den Loop aber nie aus dem Takt bringen, weil er ja intern weiterläuft. Dieses Feature ist aus vielen DJ-Programmen bekannt, während ich es bei Sequencern oft vermisse. Beachte, dass diese Option noch zusätzlich zur ohnehin möglichen Tempoanpassung des Loops (ebenfalls incl. Pitch-Veränderung) durch Eingabe eines anderen Tempos bereitsteht.

Im Ergebnis kommen sehr oft interessante Loops beim Experimentieren mit dem Loop Recorder heraus, die man anderswo so nicht hinbekommen würde.

Das war aber noch nicht alles, es gibt noch viele weitere Neuerungen im microKORG 2.0 Update, z. B. Loop Slicing, Keyboard Splits, ein Oszillator als LFO und mehr, mit denen man noch mehr aus dem microKORG2 herauskitzeln kann.

Hier ein ergänzendes deutsches Video zu diesem Workshop:

Zum Produkt:

microKORG2

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