Für den microKORG 2 sind in dessen 2.0 Update sehr viele neue Funktionen hinzugekommen, so dass wir sie hier in mehreren Teilen besprechen. In Teil 2 zu diesem Themen-Workshop lernst Du insbesondere die neue „Loop Slicing“-Funktion des Loopers kennen. Wir beschäftigen uns aber auch mit Osc 3 als neuer Modulationsquelle, der „Keyboard Split“-Funktion für duale Timbres und neuen Detail-Settings für das Pitch-Bend Wheel sowie en passant mit Arpeggiator-Optionen. Hier und da solltest Du ein paar Shortcuts kennen, um an die großartigen neuen Funktionen heranzukommen.
Im Workshop Teil 1 zum 2.0 Update wurden bereits die Updateprozedur, die neue Datentransfer-Option für Inhalte des Loopers, die neue (Audio-) Step-Recording-Funktion des Loopers, manuelles Aufnehmen von externen Audiosignalen in den Looper sowie das Aufspielen von Drittanbieter Plug-ins (z. B. von Sinevibes) besprochen. Ihr findet ihn hier
Start mit dem Looper – und die neue Single-Option für den „Overdub“-Mode
Der Looper war schon bei der Einführung eine hervorstechende Innovation im microKORG 2. Beginnen wir mit der Aufzeichnung eines Loops, z. B. ganz konventionell und ohne den neuen „Step“-Mode. Wir drücken die „Rec“-Taste und dann die „Play/Stop“-Taste, um aufzunehmen. Hierzu muss man nicht zuerst in ein Menü gehen, in einem solchen („Setting A“ via langem Drücken der „Rec“-Taste) können wir allerdings Einstellungen vornehmen, etwa für die Loop-Länge (z. B. 64/16 für vier Takte). Die Einstellung „Rec Start: PreCount On“ (via „Setting A“) sorgt dafür, dass es einen eintaktigen Vorzähler gibt, bevor die Aufnahme losgeht. Wenn Du dann etwas mit dem Synth spielst, wird das in den Looper aufgenommen. Fällt die Wiedergabe etwas leiser aus, justiere die Loop Playback-Lautstärke im Bereich „Loop Setting B“ nach. Einen älteren Workshop zum Thema findest Du unter: https://insidek.org/microkorg2-looper-workshop/
Es gibt seit dem 2.0 Update auch hier eine neue Option: Stelle die „Overdub“- Option auf „Single“, um abzusichern, dass Du z. B. durch Weiterspielen auf dem Keyboard nicht versehentlich die erste Aufnahme überspielst. Hast Du unter „Rec Start“ den neuen „Step Record“ Mode eingestellt, ist die „Overdub“-Option nicht zu sehen, denn der „Step Rec“- Mode nutzt stets Overdubbing. Stattdessen findest Du die „Step Decay“-Option.
Du möchtest für unsere nachfolgenden Slicing-Experimente ein Audiofile verwenden, das nicht auf microKORG Sounds basiert? Du kannst auch ein externes Signal wie einen Soul Loop über den Aux Input aufnehmen (wenn im globalen Modus „Aux Route“ auf „PreLoopRec“ steht). Oder Du kannst ein Audiofile mit Hilfe der neuen „Import/ Export“- Option in den Looper importieren: Mit der Tastenkombination „Function 5“ (der Button rechts unter dem Display) + „Loop Rec“ kommst Du in den Dateiverwaltungsdialog. Ob Du dann exportierst oder importierst, entscheidest Du mit Hilfe des braunen Drehreglers. Beim Exportieren wird übrigens automatisch ein Dateiname generiert.
Loop Slicing
Doch kommen wir jetzt endlich zum Slicing: Die Option, Audiofiles in kleine Stücke (Slices) zu zerteilen, ist eine in vielen Genres gängige Praxis zum Transformieren von Drumloops oder von melodischen Fragmenten. Auf diese Weise werden z. B. oft Samples aus Soul-Stücken neu und stilgerecht in Hip-Hop-Tracks eingebaut und „zitiert“. Das geht nun im microKORG 2 auf besonders intuitive Weise und mit zusätzlichen Möglichkeiten. Die Funktion ist aber leicht zu übersehen und in keinem Menü zu finden. Wir drücken und halten „Function 5“ und drücken dann „Loop Play“. Es erscheint nun eine kurze Info darüber, dass der „Loop Slice“-Mode aktiv ist. Zusätzlich blinkt nun die „Loop Play/Stop“-Taste. Auf dieselbe Weise kannst Du den „Loop Slice“-Mode auch wieder ausschalten.

Im Loop Slice-Mode ändert sich die Keyboard-Belegung: Während es zuvor möglich war, mit dem Keyboard auch bei laufendem Loop einen eingestellten microKORG 2 Sound begleitend zu spielen, sind den Tasten nun 32 Fragmente des Loops zugewiesen. Der Loop wird also in 32 Slices geteilt, die aber über das komplette Keyboard spielbar werden (stets ohne dass eine Transposition stattfindet). D.h. nach dem letzten Slice werden die übrigen Tasten weiter mit Slices gefüllt, dabei geht es wieder mit dem ersten los usw. Willst Du Deinen Loop transponieren und an andere Inhalte von der Tonhöhe her anpassen, nutze hierfür am besten die neue „BPM Scale“-Option in der „Loop-Settings B“-Page. Mit deren Hilfe sind stufenlose Tonhöhenveränderungen nach Gehör möglich, was allerdings stets auch eine Änderung der Abspielgeschwindigkeit bewirkt. Auch wenn dabei nicht immer alles perfekt geplant ist, können spontan sehr interessante Ergebnisse entstehen.
Mod-Wheel Scratching
Ein weiterer Clou: Das Mod-Wheel erlaubt optional, oberhalb der Mittelstellung reversed Playback zu aktivieren! Die Rückwärtswiedergabe beginnt dann ab der aktuellen Position der Slice Wiedergabe. Bringt man also das Mod-Wheel in Mittelstellung und bewegt es um diese herum hin und her, kann man Ergebnisse erzielen, die nach Scratching klingen!
Loop-Slice Mode und der Arpeggiator
Was beim Spielen genau zu hören ist, hängt zudem davon ab, ob der Arpeggiator an oder aus ist:
Loop Slicing Fall 1: Arpeggiator aus
Beim Festhalten einer Taste spielt der Loop stets weiter bis zum Ende. An welcher Position Du Dich innerhalb des Loops befindet, wird oben im Balken angezeigt. Typischerweise bringt Dich der Loop selbst dazu, Slices auf eine bestimmte Weise zu spielen (siehe Video). Dabei brauchst Du keine Ahnung von Notennamen oder Harmonielehre, sondern spielst einfach nach Gefühl. Besonders gut klappt das mit melodischen oder harmonischen Loops in der Regel, wenn im Hintergrund schon ein Drumloop läuft. Beim Spielen von mehreren Tasten bzw. Akkorden verhält es sich wie bei einem monophonen (Stereo-) Sound, nur der Sound bzw. die Slice Position einer Taste davon wird hörbar.
So kannst Du Drumloops oder musikalische Sequenzen in einer ganz anderen Aufteilung bzw. in einer anderen Reihenfolge der Einzelschläge oder -töne gegenüber dem Original performen.
Loop Slicing Fall2: Arpeggiator an
Beim Spielen einer oder mehrerer Tasten entstehen rhythmische Gebilde – abhängig von Einstellungen des Arpeggiators wie Tempo, Resolution, Swing, Gate Time, Type (z. B. Down, Up, Random) oder Octave. Die „Schritt-Arpeggiator“-Option erlaubt es Dir, über die acht „Program Number“-Tasten einen Rhythmus zu programmieren.

Übersprungene Steps spielen länger. Beim Spielen von mehreren Tasten wechselt der Arpeggiator zwischen verschiedenen Slice-Positionen. Hier lohnt es sich, verschiedene Einstellungen des Arpeggiators auszuprobieren. So bewirken zum Beispiel variable Gate-Zeiten sofort hörbare Unterschiede. Im „Latch Mode“ geht das besonders bequem, denn hier spielt der Arp weiter, ohne dass die Taste festgehalten werden muss.

Tipp:
| Langes Drücken von „Play“ führt ins „Loop-Setting B“-Menü, wo via „BPM Scale“ das Loop-Tempo unabhängig vom Arpeggiator-Tempo verändert werden kann. |
Osc 3 Low Modes und Osc 3 als Modulationsquelle
Eine weitere tolle Funktion des Updates sind die neuen Low Modes für Osc 3, wobei man Osc 3 nun generell (auch unabhängig vom Low Mode) in der Modulationsmatrix (via Patch 1-6) als Modulationsquelle nutzen kann. Auch hier muss man aber erst mal Bescheid wissen, wo man die Funktion findet: Im „Oscillator“-Menü sehen wir OSC KBD Settings nicht bei den Oszillatoren selbst, sondern im „Noise“-Menü. Hier kannst Du für alle Oszillatoren zwischen „Ratio“ und „Fixed“ wählen, bei Osc 3 nun aber zusätzlich auch zwischen „Ratio Low“ und „Fixed Low“. „Fixed“ Einstellungen beziehen sich dabei auf eine fix eingestellte Tonhöhe, während im Ratio Mode zusätzlich die gespielte Note eine Rolle spielt (daher heißt der Parameter auch „Osc Kid“). Letzteres ist auch im Low-Mode möglich, auf diese Weise kann dann z. B. eine Modulation der Filterfrequenz je nach gespielter Note schneller klingen (siehe hierzu auch das verlinkte Video).

Auf diese Weise kann Osc 3 nun zu einem besseren LFO werden, denn insbesondere im DWGS -Modus (zu finden im braunen „Wave“-Eintrag des „Osc“-Menüs) lassen sich Samples mit komplexen Wellenformen aufrufen und als Modulationsquelle für viele Ziele (z. B. Filter Cutoff) verwenden. Pitch oder/ und BPM Sync (im Fixed Mode) oder Semitones und Fine Tune (im Ratio Mode) stellen dann die Modulationsgeschwindigkeit ein. Moduliert man andere Oscs und stellt die Rate schneller ein, sind metallisch klingende AM- und FM-Effekte möglich.
Keyboard Split mit zwei Timbres realisieren
Im „Voice“-Menü aktiviert man die Option „Timbre Mode Dual“, um zwei Timbres mit unterschiedlichen Klängen spielen zu können.

Anschließend drückt man die „Timbre“-Taste lange und kann auf der „Timbre Mix“-Page mit dem lila Encoder nun nicht nur die Option „Layer“ (in Mittelstellung), sondern auch einen Split Point einstellen. Ohne verschobene Oktaventransposition eignet sich Split Point C4 gut, um das auszuprobieren. Nach links gedreht wird dabei Timbre 2 UNTER Timbre 1 positioniert, nach rechts gedreht Timbre 2 ÜBER Timbre 1. Kurzes Drücken von „Timbre“ bewirkt einen Wechsel zwischen den Timbres, die man bearbeitet.

Zum Schluss noch ein Tipp:
| Die Pitch Bend Range kann nun besonders detailliert verstellt werden. So kann die Range für „Pitch Bend Up“ von der für „Pitch Bend Down“ abweichen (z. B.: Up 24, Down 2 Semitones). Hierzu geht man ins Menü „Pitch“ (unter „Voice“), hält den „Octave Up/Down“-Button gedrückt und dreht an Regler 5. |
